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Irgendjemand muss ja den Anfang machen….

Februar 8th, 2009 · Keine Kommentare

…darum fange ich mal damit an. Ohne Reihenfolge, meine zehn liebsten Scheiben:

Hüsker Dü - Zen Arcade

Hüsker Dü – Zen Arcade

(SST, 1984)

Was für ein Monster von Album! Zur Zeit der Veröffentlichung war ich leider noch zu jung (9 Jahre), bzw. zu uncool, um quasi live dabei zu sein, aber auch wenn man sowas als Teenager zu hören kriegt, ist man für immer versaut. Diese Platte vereinigt Teenager-Weltschmerz mit radikalem Endzeit-Hardcore und drogenverseuchter Psychedelik. Ganz nebenbei gibt´s unglaubliche Melodien, einen Gesang, der emotional sowas von over the top ist, dass es ein Wunder ist, dass so ein Genre wie Emo sich überhaupt bilden konnte und eine nervenzerfetzende Kreissägen-Gitarre, die ich in ähnlicher Form erst wieder bei Reagan Youth gehört habe (und die im Gegensatz hierzu ziemlich abstinken).

AC/DC – Powerage

(Atlantic, 1978)

“They say that you play too loud / Well, baby, that’s tough”  (”Rock´n´Roll Damnation“, Seite 1, Song 1)

Mit diesen zwei Zeilen ist eigentlich schon alles über Rockmusik gesagt. Diese Platte liebe ich seit ca. meinem 13 Lebensjahr und sie hat damit vorpubertäre Peinlichkeiten wie Wham! und Smokie abgelöst. Also waren es eigentlich die Australier, die mich versaut haben (zusammen mit den Sex Pistols). Zwischenzeitlich mochte ich die dank angeblich coolem Indierock nicht mehr hören, aber alte Liebe rostet nicht. Dumm nur, dass ich die ganzen alten Scheiben schon verscheuert hatte und sie mir dann via Ebay wieder besorgen musste. Ansonsten: AC/DC waren nur mit Bon Scott gut und diese Platte ist die eindeutig beste davon: gute stumpfe Songs und Malcolm Youngs Rhythmus-Gitarre, die Akkorde wie in Granit gemeisselt raushaut. Bei den Texten geht´s ausnahmsweise mal nicht nur um “untenrum” sondern auch ähnliche Rock´n´Roll-Sachen wie Pleite-sein, Rocken-müssen und der-Geilste-sein. Aber am tollsten sind, wie schon gesagt, Malcolm Youngs Akkorde. Das klingt so reduziert und knarzig, dass man denken könnte, Steve Albini hätte die Platte produziert. Killer-Scheibe, die mich immer zum Lachen bringt.

Jay Reatard – Blood Visions

(In The Red, 2006)

Selten eine so aggressive Platte mit so viel Pop-Appeal gehört. Bei nicht mal einer halben Stunde Spielzeit dachte ich anfangs ja noch, dass man die schnell satt haben könnte. Stimmt aber nicht. All killer, no filler. Außerdem einer der letzten Verrückten, die es noch auf Bühnen zu sehen gibt.

Swell – ..well?

(Badman, 2003)

Wer sie nicht kennt: total bedröhnter Gitarrenpop, ein bißchen Shoegazing, ein bißchen Folk. Absolut entrückt und entspannt. Das Schlagzeug klopft vor sich hin wie ein alter Motor und Gitarren flirren am Horizont, zwischendurch Aufnahmen mit Außenmikrofonen am Studio, Straßenszenen. Wenn Kiffen ein Geräusch wäre, würde es wie diese Platte klingen.

Minutemen – Double Nickels on the Dime

(SST,1984)

Noch so ein Knaller aus dem Orwell-Jahr, noch ein Doppelalbum, auf dem gleichen Label auch noch. Die Minutemen waren die Band, die mir klar gemacht hat, das Krawall nicht immer gleich klingen muss. Auf solche Gaga-Bass-Läufe muss man erstmal kommen! Und dazu die Songtitel: “Do you want New Wave (or do you Want the Truth)?“, “Political Song for Michael Jackson to Sing“, “The Roar of the Masses Could Be Farts“. Klingen nebenbei so sympathisch, wie keine andere Band (wie immer das geht).

Creedence Clearwater Revival – Green River

(Fantasy, 1969)

Mein Vater hatte von denen eine Best-of-CD rumstehen, die ich mir als Teenager ziemlich oft angehört habe. Später ist die dann in meinen Besitz übergegangen und irgendwann musste ich sie alle auf Vinyl haben. Die haben zugegebenermaßen ziemlich viel Schrott aufgenommen, aber auf “Green River” sind Knaller drauf, ohne die kein Vietnam-Kriegsfilm auskommt. John Fogerty ist mal wirklich begnadet, was Songwriting und Gesang angeht. Außerdem klingen sie auf dieser Platte mal ein bißchen mehr nach Drogen, ohne jedoch zu Hippie-Langweilern zu verkommen.

The Now-Denial – Viva Viva Threatening

(Scorched Earth Policy, 2004)

Uffta, uffta, dröhn, dröhn. Wer richtig fiese was auf die Ohren haben will, ist bei Now-Denial gut bedient. Hält sich schon seit geraumer Zeit auf meinem MP3-Player auf dem Weg zur Arbeit. Gibt nix besseres um morgens in die Gänge zu kommen. Crust as Crust can! Oder wie es so schön auf der Auslaufrille steht: “tractor pulling death machine”. Gute Texte gegen alles, was schlecht ist, ein Spitzensänger, und eine richtig tighte Band. Zudem sind sie live auch die absolute Macht.

Gil Evans – The Individualism of…

(Verve, 1964)

Diese Platte höre ich, wenn ich nicht nur wie ein Brillenträger aussehen, sondern mich auch so fühlen will. Nee, ohne Scheiss, wenn man Jazz hören muss, dann sollte der so klingen. Habe ich das erste Mal gehört, als mir ein Kumpel neben allerlei schnell vergessenen Indiekram “Las Vegas Tango” mit auf ein Mix-Tape packte. Alles sehr cool und nicht zu verfrickelt (wie das in diesem Genre ja auch schnell vorkommen kann), alle Beteiligten ordnen sich dem Song unter.

Demon´s Claws – Satan´s Little Pet Pigs

(In the Red, 2007)

Tolle Sache, wenn es scheppern soll. Neben allerlei kaputtem Garagenkram – und ich meine hier richtig kaputt, wie die Black Lips zu ihren besten Zeit – warten die Kanadier vor allem mit einem total fertigen Sänger auf, der die Hälfte der Songs zu jodeln scheint (äußerlich erinnert er mich ein wenig an oben bereits genannten Malcolm Y.). Am besten finde ich sie, wenn sie es ein bißchen langsamer angehen lassen und so mehr Country- oder Spooky- oder was-weiß-ich-für´n-Flair aufbauen (z.B. “Hunting on the 49“). Gemastered von oben ebenfalls bereits genannten Jay R..

Fuel – Fuel

(Sixth International, 1990)

Habe ich mir mal via Malibu-Mailaorder bestellt. Kennt die noch jemand? Die Beschreibung sagte irgendwas von “Mischung aus Fugazi und Nomenanso“. Und damit hatten sie mich. Wenn überhaupt, klingen sie eher nach Fugazi, aber was die Raserei angeht, haben die es hier irgendwie besser raus. Als Teenager war das für mich eine der markerschütterndsten Erfahrungen mit Musik überhaupt und auch heutzutage noch finde ich den Gesang unübertroffen und gnadenlos gut. Prima Gitarren und Schlagzeug, sowie schön melodiöse Bassläufe gibt´s auch zuhauf. Lohnenswert auch die Anschaffung der “Monuments to Excess”-CD, da hier die komplette LP sowie alle (?) Singles und Samplerbeiträge drauf sind.

Tut mir ja immer ein bißchen leid um die anderen 500 tollen Platten, die mir nach etwas längerem Nachdenken noch einfallen, aber irgendwo muss ja mal Schluss sein…

Tags: Lieblingsscheiben

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